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Spendenaufrufe auf Facebook

Quelle: iamsushant/Pixabay
Quelle: iamsushant/Pixabay

Am 17. Oktober werde ich 40 Jahre alt. Ich kündige das deshalb schon so früh an, damit ihr euch schon einmal überlegen könnt, was ihr mir schenkt. Jawohl, richtig gelesen, ich möchte tatsächlich Geschenke! Ich werde hier keinen Spendenaufruf für irgendeine gemeinnützige Organisation starten, die mir Facebook vorgeschlagen hat und von der ich selbst noch nie etwas gehört habe. Ich werde nicht den bereits vorgefertigten Text übernehmen, in dem steht, dass ich diese „gemeinnützige Organisation gewählt habe, da mir ihr Anliegen besonders am Herzen liegt“ -das tut es nämlich nicht. Nicht an meinem Geburtstag! Das ist MEIN Tag und ihr sollt euch das Hirn zermartern, was ihr an meinem fucking 40. Geburtstag alles kauft! Ich möchte überschüttet werden mit Kino-Gutscheinen, Sportklamotten, veganen Süßigkeiten aus dem Bioladen und Kaffeetassen mit Camillos Konterfei! Ich verzichte also darauf, mich als völlig uneigennütziger und großzügiger Mensch zu outen und ihr habt keine Gelegenheit euren Spendenbetrag hier öffentlich zur Schau zu stellen, damit ihr alle ein wenig an meiner Selbstlosigkeit teilhaben könnt.
Zugegeben, öffentliche Spendenaufrufe sind für alle ein guter Deal: Man kann ganz laut und für alle lesbar darauf hinweisen, dass ja bald der Geburtstag wieder ansteht und diesmal hoffentlich Jeder daran denkt, ohne dass das Ego zu laut in den Vordergrund rückt, denn man macht das ja nur für einen guten Zweck. Die Freunde hingegen sind erleichtert, denn sie müssen sich dieses Jahr keine Gedanken machen, rechtzeitig ein Geschenk zu kaufen, lediglich ihre Konto- und Kreditkartendaten dem ohnehin schon allwissenden Facebook übermitteln, Spendenbetrag eingeben -klick- und man ist von der Pflicht des Geschenkekaufs für dieses Jahr freigesprochen – ein Ablasshandel der für alle vier Parteien, nämlich Jubilar, Spender, Spendenempfänger und Facebook, eine Win-Win-Win-Win-Situation darstellt.
Moralisch ist es also total verwerflich von mir, so egoistisch zu sein und dafür nicht einen Tag herzugeben, der sich ohnehin jährlich wiederholt. So ein Spendenaufruf klappt ja auch super, man sieht sofort, wer schon etwas gespendet hat und welche Personen aus meiner Freundesliste offensichtlich nicht daran interessiert sind, die Welt ein wenig besser zu machen -diese gleichgültigen, egoistischen Wohlstandskonsumenten!
Wenn ich auf Facebook meine Timeline herunterscrolle, dann tauchen aktuell exakt sieben solcher Spendenaufrufe vermeintlicher Freunde auf – ich darf mich also siebenmal schlecht fühlen, weil ich noch nichts von meinem Reichtum geteilt habe und Facebook gibt sich Mühe, es mir ganz oft unter die Nase zu reiben, damit es sich auch anfühlt, wie die sieben Todsünden. Gleichzeitig weiß ich aber auch, dass ich diesen Freunden schonmal nichts zu Geburtstag kaufen muss, denn wer so selbstlos ist, dem ist sein Geburtstag nicht wichtig und der braucht auch nichts.
Bei mir nicht. Ich will die Party des Jahrhunderts. Ihr sollt mir stündlich ein Ständchen singen, mir auf die Schultern klopfen und mich loben, dass ich mich echt gut gehalten habe und euch mit eurem selbst mitgebrachten Alkohol vollaufen lassen!
Das war zumindest mein Plan. Bis ich gesehen habe, dass ich ausgerechnet an meinem 40. Geburtstag eine Comedylounge in Würzburg in den Tourplan eingetaktet habe. Weil ich mich doch glatt verrechnet habe und dachte, es sei erst mein 39. Geburtstag – ich Depp... auf der anderen Seite: So günstig bekommt man das Bockshorn für eine Geburtstagsfeier nie wieder gemietet! Bringt mir also eure Geschenke einfach zur Show mit. Oder kauft eine Eintrittskarte mehr, als ihr eigentlich braucht – ich akzeptiere auch Geldgeschenke!
Wenn ihr trotzdem spenden wollt, dann macht es so, wie es sich als normaler Mensch gehört: Sucht euch eure eigene Organisation, die ihr unterstützen wollt, geht auf deren Homepage, überweist den Betrag, druckt die Spendenquittung aus und teilt es nur dem Finanzamt mit – das sind nämlich die Einzigen, die das wirklich interessieren sollte.

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