Projekt Nordkap - Was bisher geschah...

Im August fahre ich 3000 km in 30 Tagen auf dem Rennrad. Hinter mir ziehe ich einen Hänger, in dem sich mein Hund Camillo befindet. Zuggewicht: 50 Kilo. Startpunkt: Flensburg. Ziel: Nordkap. Das heißt, im Schnitt muss ich pro Tag 100 Kilometer fahren. Was für eine bekloppte Idee....und weil ich wusste, dass ich das nie durchziehen würde, wenn ich es nicht vorher groß über alle Kanäle ankündigen würde, habe ich bereits im August 2018 ein Video mit meinem Plan veröffentlicht.

Aber wie verlief mein bisheriges Training?

 

August 2018

Heute ist Schwimmtraining angesagt. Bin ganz schön außer Puste, als ich aus dem Wasser steige.
Ein Knirps kommt auf mich zu: "Warum hast du denn einen Frauen-Badeanzug an?"
"Das ist kein Badeanzug, das ist ein Triathlon-Anzug."
"Echt? Machst du Triathlon?!"
Scheinbar hat er davon schon gehört.
"Klar!", sage ich und versuche cool zu wirken.
"Und warum siehst du dann nicht so aus?"
Hmpf.

 

September bis November 2018

Ich stelle mich auf die Waage - 84 Kilo. Mein "Wohlfühlgewicht" liegt bei 75 Kilo. Damit bin ich bisher immer meine besten Zeiten gelaufen und geradelt. Also: Runter mit den Pfunden! Ich gehe laufen. Danach habe ich Hunger. Logo, habe ja auch Kalorien verbrannt. Also hole ich mir ein Bier (isotonisch!) beim Kiosk und eine Tüte Chips. Chips sind nämlich meistens vegan und vegan ist ja gesund. Im November stelle ich mich nochmal auf die Waage. Immer noch 84 Kilo.

 

 

Dezember 2018

So langsam wird es Zeit, mal ein wenig mehr Sport zu machen.  Als Ansporn kaufe ich mir eine neue Trainingsrolle, in die ich mein Radl im Wohnzimmer einspannen kann. Die Rolle verbindet sich mit meinem PC und ich kann online gegen andere Spinner virtuelle Rennen fahren. Geiler Scheiß. Ich bin angefixt.

 

Januar 2019
80 Kilo. Die Auftritte laufen gut, ich bin als Kreuzfahrt-Hure in der Karibik unterwegs und verdiene mein Geld, indem ich Gäste an Bord bespaße. Am Vormittag stelle ich mich regelmäßig brav aufs Laufband und abends gibt es Cocktails.

Februar 2019

84 Kilo... Fuck! Es geht wieder auf die Rolle. 2-3 Stunden halte ich mittlerweile aus, schaffe sogar ein 100 Kilometer Rennen und meine durchschnittliche Wattzahl liegt bei über 240W. Eigentlich nicht schlecht. Trotzdem nehme ich nicht ab.

Ich überdenke meine weitere Planung: Künftig möchte ich mich genau so vorbereiten, wie ich mich die letzten Jahre immer sportlich betätigt habe. Das heißt, kein einseitiges Rennrad-Training, sondern

1. Halbmarathon im Mai
2. Triathlon im Juni

3. Nur noch Radeln und Schwimmen ab Juli

 

Vor zwei Jahren habe ich damit prima meine Skandinavien-Tour durch Schweden und Finnland gemeistert. Okay, stimmt nicht ganz: Ein halbes Jahr lang war mein linker Arm taub...nachdem ich aber die letzten Monate an der Sitzposition und am Lenker gebastelt habe, dürfte zumindest dieses Problem nicht mehr auftauchen.

März bis April 2019
Mein linker Arm ist taub. Ich lasse es erstmal mit dem Radfahren. Mein Schwerpunkt liegt jetzt beim Laufen. Ein wenig habe ich doch etwas geändert: Mindestens einmal die Woche laufe eine lange Einheit 20 Kilometer auf Teer. Von Würzburg bis zum Erlabrunner See und wieder zurück. Meine Zeiten sind okay, ich war auch schon schneller, allerdings muss ich immer 5 Minuten Wartezeit abziehen, weil wir jedesmal an Camillos Hundewiese vorbeilaufen und dort er das Tempo bestimmen darf.  Mit den langen Strecken möchte ich Kondition aufbauen und meinen Körper auf eine härtere Belastung vorbereiten. Ab August muss ich täglich 5-8 Stunden auf dem Sattel aushalten.

Unter Sportlern wird darunter eifrig gestritten: Bringt Lauftraining überhaupt etwas fürs Radfahren? Einige meinen ja (das sind dann die Läufer), andere meinen nein (überwiegend die Radler). Mir persönlich ist das vollkommen wurscht - hautpsache Sport, egal welche Disziplin, es bringt immer etwas für Körper und Geist. Das Laufen auf dem Asphalt macht sich leicht in meinem Rücken bemerkbar, aber er wird sich schon noch daran gewöhnen.

Was mich wundert: Ich nehme nach wie vor nicht ab. Bin ich mit meinen 39 Jahren nun schon so alt, dass der Stoffwechsel einfach sagt: "Nö. Wir bleiben jetzt so!"?

Ich rufe Maja an. Maja ist Triathletin und Psychologin - eine super Kombination, wenn man mal einen ehrlichen und motivierenden Rat braucht. Maja hat auch schon sehr schnell eine Erklärung dafür gefunden: Wenn ich den ganzen Winter über ständig auf meiner Rolle im Wohnzimmer trainiert habe, dann habe ich damit  auch ordentlich Muskulatur aufgebaut. Dann bin ich also gar nicht fett, sondern das ist alles nur Muskeln? Geil! Ich fühle mich gleich etwas erleichert - bestimmt 4 Kilo. Abends stehe ich vor dem Spiegel und suche meine Muskeln....ich glaube, Maja hat gelogen.


 

Ostersonntag
Die erste lange Radfahrt steht an. Ich spanne das Camillobil (so habe ich den Hänger getauft) an und lasse meinen Hundi Platz nehmen. Heute soll es von Coburg nach Würzburg gehen.

Weil ich dieses Jahr bereits auf der Rolle 100 Kilometer am Stück geschafft habe, bin ich überzeugt davon, den ersten 3er draußen gleich mit Hänger zu schaffen. Ich Depp...nach 40 Kilometern merke ich jedenfalls, dass es nicht SO eine ausgereifte Überlegung war...und 70 km liegen noch vor mir. Immer wieder fahren Radler zu mir auf und halten für einen kurzen Small-Talk unser Tempo. Bis zum nächsten Berg, dann kämpfe ich wieder gegen 50 Kilogramm in meinem Rücken an, die mich nach unten ziehen wollen, während die E-Bikes an mir vorbeizischen. Die letzten 5 Kilometer schaffe ich nur noch im Stehen, so sehr tut mir der Hintern weh. Auch Camillo ist platt aber glücklich, immerhin drei Katzen und zwei Hasen durfte er sehen.
Noch vier Monate bis zum Nordkap, dann dürfen wir das jeden Tag machen...aktuell noch unvorstellbar...

 

26. Mai, Halbmarathon Würzburg

Bereits eine Woche vorher stehe ich jeden Morgen um 7 Uhr auf, um mich an die Startzeit um 9 Uhr vormittags zu gewöhnen. Als Künstler ist das eine krasse Zeitumstellung und die letzten Jahre hatte ich bei jeder Teilnahme mit dem Jetlag zu kämpfen. Meine Bestzeit vor zwei Jahren: 1:40h. Vor einem Jahr habe ich für meine Verhältnisse eine katastrophale Zeit hingelegt, die ich dezent aus meinem Gedächtnis gestrichen habe...dieses Jahr peile ich 1:45h an.
Der Start verläuft gut, ich bin schnell im Rhythmus. Nach 5 Kilometern laufe ich an den Pacemakern für die 1:45er Zeit vorbei - die sind mir zu langsam. Ich steuere nach 6 Kilometern auf 1:43h zu und fühle mich wohl. Nach 7 Kilometern bemerke ich, dass die Sonne doch etwas stärker als gedacht ist und ich mich etwas zu warm angezogen habe. Einen Kilometer später werde ich von den Pacemakern wieder überholt, die sich dabei locker über den Klimawandel unterhalten. Arschlöcher. Bei Kilometer 10 saufe ich die Verpflegungsstation leer. Ab Kilometer 14 habe ich ein kurzes Runners High, als ich durch die Sanderau laufe. Vermutlich aber nur, weil ich dort schnell wieder weg wollte (da wohnt eine Ex von mir), denn ab der Neubaukirche heule ich innerlich leise vor mich hin.

Am Ende wird es eine 1:49er Zeit. Ist okaaaay, aber nun brauche ich erstmal eine Erholungspause....

 

Juni

80 Kilo. Ein paar Tage Ruhe will ich mir nach dem Halbmarathon gönnen, um mich dann voll auf das Fahrradfahren zu konzentrieren. Nach ca. 5 Tagen kann ich plötzlich kaum noch Laufen. Mein Rücken, den ich die ganze Zeit ignoriert habe, nutzt nun die Auszeit, um Meldung zu machen. Die langen Asphaltläufe waren wohl doch keine so gute Idee, zumindest fühle ich mich gerade sehr sehr alt...Ein paar Tage muss ich für ein Gastspiel in Magdeburg bleiben und ich versuche das Beste daraus zu machen: Täglich drehe ich meine Runden im Hotelpool, um Rückenmuskulatur aufzubauen. Der Pool ist nur 5 Meter lang und mir wird anfangs schwindlig vom vielen Drehen, dafür kann ich aber jetzt eine technisch einwandfreie Wende.

Nach vier Tagen Magdeburg (das übrigens tatsächlich sehr hübsch ist!) geht es wieder nach Hause und ich bin startklar für die nächsten Radeinheiten. Diese verlaufen erstaunlich gut. An den meisten kleinen Steigungen bleibe ich vorne auf dem großen Blatt und trete es einfach durch. Scheinbar hatte Maja doch recht: Ich habe Muskeln bekommen.

Ich nehme mir vor, nun 4-5 mal die Woche schöne lange Touren zu machen. Von Würzburg aus kommt man prima in den Spessart, in die Rhön, in den Steigerwald, ins Taubertal, durch das Werntal - nach fast 20 Jahren in Würzburg kenne ich so ziemlich jede schöne Strecke - und genau das ist auch mein Problem: Es wird schnell langweilig. Jedesmal, wenn ich mir eine Tour überlege, höre ich eine Stimme in mir, die zu mir sagt: "Das kennst du doch schon alles....da warst du auch schon....gääääääähn!"
In mir rumort es gewaltig. Ende Juni steht der Triathlon an und das Schwimmtraining ist auf Null runtergefahren. Einerseits habe ich Angst, nicht genügend zu trainieren und jetzt in der entscheidenden Phase der Vorbereitung zu scheitern, auf der anderen Seite muss ich mich dazu zwingen, auf das Rad zu steigen.  Aber gerade das hat mich doch bislang immer so glücklich gemacht? Zweifel steigen in mir hoch. Mache ich mir gerade mein Hobby kaputt? Weil ich mir zu viel vorgenommen habe? Radfahren war mich immer eine Auszeit, nun nutze ich es als großes Projekt, um darüber schreiben - wo bleibt denn dann die wirkliche Freiheit, die mir immer so wichtig war?

Es muss sich etwas ändern.

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Kommentare: 1
  • #1

    Heiner Rose (Sonntag, 23 Juni 2019 07:12)

    Lieber Andy ,
    vielleicht erinnerst du dich noch daran als du mir bei einem Gastauftritt in Norderstedt eine Autogrammkarte von deiner Kollegin Christine Eixenberger übergeben hast und ich dich auch um je eine Autogrammkarte meiner 5 Enkelkinder bat !!! Vielleicht kannst du mir ja mal berichten über meine Facebookseite wie es zu diesem einmaligen Auftritt in Norderstedt kam !!! Meine Frau und ich fanden dich toll auf der Bühne und wir bewundern dich auch für deine sportlichen Aktivitäten !!! Wir wünschen dir für dein geplantes Vorhaben in diesem Jahr alles Gute !!! Bleib gesund und ohne Unfall oder Panne !!! Wir drücken dir für alle Daumen !!!
    Viele Grüße aus Norderstedt von Moni und Heiner !!!

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